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ÖWW Flüchtlingshilfe

Ökumenisches Willkommensbündnis Wannsee ÖWW

Das ÖWW in seinem 2. Jahr

Gut 1 Jahr, nachdem es erstmals in der kommunalen Öffentlichkeit in Erscheinung trat, ist das Ökumenische Willkommen Wannsee (ÖWW) inzwischen zu einer festen Größe in der örtlichen „Flüchtlingsszene“ geworden. Was wollen wir? Wo stehen wir? Wie soll es weitergehen?

Das ÖWW ist eine Initiative der drei in Wannsee vertretenen christlichen Kirchengemeinden, und so verwundert es nicht, dass unsere Motivation, uns in Sachen Flüchtlinge zu engagieren, in erster Linie eine humanitäre ist. Uns interessiert der einzelne Mensch, die einzelne Familie. Wir nehmen ihnen ab, dass sie aus Gründen der äußeren oder inneren Not bei uns Zuflucht gesucht haben und unserer Zuwendung bedürfen. Ob dies in jedem Einzelfall zutrifft, müssen die hierfür legitimierten staatlichen Stellen nach rechtsstaatlichen Regeln prüfen, es ist nicht Sache des ÖWW. Den Menschen aber, die hier sind, wollen wir zu verstehen geben, dass uns ihr Schicksal nicht gleichgültig ist, und wir wollen ihnen helfen, sich so schnell wie möglich in unserer Gemeinschaft zurechtzufinden. Dabei sind wir uns der Befürchtungen und Sorgen auch hier in Wannsee bewusst, dass uns die Integration der Flüchtlinge nicht so reibungslos und auch nicht so schnell gelingen könnte, wie wir uns das wünschen und vorstellen. Wir teilen die Auffassung, dass bei einer dauerhaften Ansiedlung unbedingt auf eine gute Durchmischung mit der heimischen Bevölkerung geachtet werden muss, um die Bildung von Flüchtlingsghettos zu vermeiden.

Auf den ersten öffentlichen Versammlungen des ÖWW im Sommer und Herbst 2015 erklärten erfreulich viele Interessierte, Gemeindemitglieder oder nicht, die Bereitschaft, ihre Tatkraft und Kompetenz in den Dienst unserer Ziele zu stellen. Inzwischen haben sich mehr als 200 Freiwillige in unsere Listen eingeschrieben. Es konnten Arbeitsgruppen zur Sprachvermittlung, zu Sport und Freizeitgestaltung, zu Café und Begegnung, zur Begleitung im Alltag, zu Kinderbetreuung (während die Eltern an Sprachkursen teilnehmen), zur Sachspenden-Verwaltung, neuerdings auch zur Wohnungsvermittlung gebildet werden, es gibt eine Musikgruppe, und eine Nähstube wird betrieben (Näheres und weitere Einzelheiten unter www.oeww-berlin.de). Über all dies wird im Wannseeboten regelmäßig berichtet. Da es sich in den beiden Unterkünften in Wannsee (Am Großen Wannsee und Zum Heckeshorn) zur Zeit um Erstaufnahmeeinrichtungen handelt, über den Status der Bewohner also noch nicht entschieden ist, greifen in der Regel die staatlichen Integrationsmaßnahmen noch nicht. Deshalb sind die Aktivitäten des ÖWW in dieser Phase sehr sinnvoll, besonders auch im Bereich der Sprachkurse, aber sie bleiben es auch später als Ergänzung zu den staatlichen Programmen. Nicht immer zufriedenstellend ist die Regelmäßigkeit der Teilnahme insb. an den Sprachkursen, bei denen die Kontinuität besonders wichtig wäre. Das liegt zum Teil an externen Terminen, die die Flüchtlinge nicht beeinflussen können. Wir bemühen uns um eine Verbesserung dieser Situation.

Alle Ehrenamtlichen des ÖWW arbeiten weitgehend in eigener Initiative mit entsprechend großen Gestaltungsspielräumen. Ein Mindestmaß an Koordination wird von den Koordinatorinnen und Koordinatoren der einzelnen Arbeitsbereiche gewährleistet, die sich regelmäßig in der Steuerungsgruppe des ÖWW austauschen, in der auch die Gesamtstrategie des ÖWW beraten wird. Seit April 2016 hat die ev. Kirchengemeinde in Wannsee eine Halbtagsstelle für koordinative Aufgaben in der Flüchtlingsarbeit eingerichtet und finanziert, die mit Frau Saskia Helbig besetzt ist. Sie arbeitet für das ÖWW, sorgt für die Gesamtkoordination und stellt verlässliche Präsenz und Ansprechbarkeit sicher

Das ÖWW finanziert sich durch Spenden und ist voll Dankbarkeit für die Großzügigkeit einer Reihe von Wannseer Bürgerinnen und Bürger. Darüber hinaus konnten in diesem Jahre bisher bei Stiftungen und Institutionen Spenden in Höhe von 4.100 € eingeworben werden. Hiermit werden die Kosten für Unterrichtsmaterialien, Sportausrüstungen, Ausflüge, Material für die Nähstube, das diesjährige Sommerfest am 10. September und ähnliches bestritten.

Und wie wird es weitergehen? Wie immer sich die Flüchtlingssituation insgesamt und insbesondere hier in Wannsee weiterentwickeln wird, wir werden versuchen, uns darauf einzustellen, aber auch bewährte Wege weitergehen. Auch im 2. Jahr seines Bestehens wird für das ÖWW die Sprachvermittlung ihre zentrale Wichtigkeit behalten, die Wohnungs- und Arbeitssuche wird für Flüchtlinge mit der zunehmenden Dauer ihres Aufenthalts drängender. Darüber hinaus wird uns das Thema „Patenschaften“ weiter und verstärkt beschäftigen, bereits jetzt gibt es etwa ein Dutzend Menschen in Wannsee, die sich in lockerer Form als Ansprechpartner und allgemeine „Kümmerer“ für eine Familie zur Verfügung stellen. Denn gerade, wenn wir die Massierung von Flüchtlingen in eigenen Ghettos und eine Clanbildung vermeiden wollen, müssen wir ihnen Anknüpfungs- und Haltepunkte innerhalb unserer Gesellschaft und Gemeinschaften anbieten. Ideal wäre, wenn einige Familien hier in Wannsee unterkommen könnten. Einige Ansätze und (positive) Erfahrungen hierzu gibt es bereits.

Die Integration der Flüchtlinge ist eine große und vor allem auch langfristige Aufgabe. Die Langfristigkeit zwingt zu einer gewissen Nüchternheit, auch bei der Einschätzung unserer Kräfte. Ob ein- oder mehrmals in der Woche, nur am Wochenende oder alle zwei Wochen – jeder Ehrenamtliche entscheidet, in welchem Ausmaß seine Lebensumstände ihm erlauben, sich einzubringen, ohne dass es zu einer Überforderung kommt. Um eine breite Verteilung der Aufgaben zu ermöglichen, brauchen wir noch mehr Ehrenamtliche bei allen unseren Aktivitäten. Bitte scheuen Sie sich nicht, sich zu melden. Kommen Sie zu unserem nächsten Plenum am 7. Oktober um 18:30 h in der Baptistengemeinde.

Zu den beglückenden Erfahrungen im ÖWW gehört das Erstaunen, wie viele Menschen guten Willens hier in Wannsee unter uns sind, die, einem naiven „Gutmenschentum“ ganz fern, ihre Phantasie, ihre Professionalität, Tatkraft und Zeit einer großen, wichtigen Aufgabe zur Verfügung stellen. Allein schon sie kennenzulernen, lohnt die Mitarbeit im ÖWW. Selbstlosigkeit, Empathie, Tatkraft und Einsatzbereitschaft – alles Tugenden, die hier angesichts einer großen Aufgabe sichtbar werden und aufblühen, und so liegt der Gedanke nicht fern, dass die sog. „Flüchtlingskrise“ bei all ihrer unbestrittenen Komplexität durchaus auch ihre guten Seiten für unsere Gesellschaft hat.

(Helmut Krech)

Die Tageslosung

Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?
Hiob 38,41
Der Herr ist reich für alle, die ihn anrufen.
Römer 10,12
 
Zur Zeit ist keine entsprechende Veranstaltung angekündigt.
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